

Um 4:30 Uhr ertönt der Gesang des Muezzins gut hörbar in unserem Hotelzimmer, was Timo aber damit kommentiert, dass es diesmal nicht so schlimm sei, weil dieser habe wenigstens eine schöne Stimme (???) - darauf kann ich nur Stirnrunzeln erwidern. Mit geräderten Augen verfolge ich dann etwas später die Konversation des Tages zwischen Timo und einem Hotelangestellten.
(Vorhang auf.)
Timo: "When is breakfast?" - Antwort: "Yeah."
Timo: "Yes, but until when?" - "Yeah."
Timo: (Zeigt auf sein Handgelenk). "Yes, but until when is breakfast?" - "Yeah. Pancake."
(Hasserfüllter Blick von Timo).
(Ab.)
Wenig später werden uns zwei Pfannkuchen serviert.
Timos schreibt darauf hin seine mentale to-do-Liste für heute:
2. Dem DFB einen Hass-Brief schreiben.
Gestern hat er nämlich versucht DFB-Pokal-Finale zu schauen, aber die Bundesliga wird nicht nach Indonesien übertragen, nur die doofe englische Premier League. Also ist er umsonst bis 3 Uhr nachts aufgeblieben.
Da wir Gili T, wie man es hier nennt, trotz einzelner schöner Ecken auch nach Inselumrundung zu Fuß alles andere als paradiesisch finden flüchten wir uns alsbald nach Gili Meno.
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Schaukel im Meer auf Gili T |
Gili Meno erfüllt zumindest meine Vorstellungen von Paradies schon sehr viel mehr. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser, trifft vollkommene Ruhe: Keine Autos, keine Mopeds, keine Pferdewagen, keine Mücken, keine Affen, keine Hunde, keine Hähne, überhaupt keine Tiere, keine Pauschalhippies und in unserer Hörweite keine Moschee - kein Lärm. Der Strand ist allerdings zum Baden eher ungeeignet, da voller toter Korallen - zum Baden sind daher Badeschuhe empfehlenswert - die wir nicht haben. ;) Wir schnorcheln hier am turtle point, der direkt vor dem Strand unserer Unterkunft liegt, und ich sehe auch sofort eine riesige Schildkröte vorbeischimmen.
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Liegeflächen vor der Unterkunft und Blick aufs Meer |
Da es für mich das erste Mal schnorcheln ist, finde ich es allerdings etwas gruselig so da draußen rumzuschwimmen, ohne Boot oder Schwimmweste oder sowas, daher verbringe ich die meiste Zeit auf Gili Meno damit auf den erhöhten Liegeflächen unserer Unterkunft zu liegen, aufs Meer zu schauen, das hervorragende Essen zu essen und zu lesen.
Dann lernen wir noch Said kennen, einen Deutschen, der in Jakarta arbeitet und hier das Wochenende entspannt. Mit Said trinken wir ein paar Bier, reden über Indonesien,

Einen Tag später müssen wir auch schon auf die nächste Insel - nach Lombok, denn ich muss mein Visum verlängern, ich bin bald einen Monat in Indonesien - unglaublich! Auf Bali wollte ich nicht verlängern, denn dort dauert es 7 Tage und man muss dreimal hin - in Mataram, Lombok sind sie da schneller. Said nimmt uns netterweise mit seinem Fahrer mit nach Mataram und so ist die Reise deutlich angenehmer als sonst (keine mitfahrenden Hühner). Während der Fahrt erklärt uns der Fahrer stolz, Lombok sei DIE Insel der Moscheen - über 1500 gäbe es. Wir sind not amused.
Mataram ist für Indonesiens Verhältnisse eine kleine, gemütliche Stadt. Unser Hotel ist dafür erstaunlichweise mit Andy Warhol Prints und modernen Möbeln ausgestattet - das Andy Warhol Sandwich ist ein besonderer Traum. Vor der Ausländerbehörde hängt ein Schild, wie man sich drinnen kleiden sollte - keine kurzen Hosen, keine Flipflops, keine schulterfreien T-shirts. Ich wusste das vorher und habe mich im Interesse der Beschleunigung des Verfahrens in einen traditionellen Sarong (als langen Rock) und ein dazupassendes Tshirt geworfen. Es hilft aber leider nix- abholen kann ich das neue Visum erst 2 Tage später. Auf dem Rückweg von der Behörde lerne ich einen alten Lehrer kennen, der ein bisschen Englisch spricht und allerhand Konversation über dies und das mit mir führt von dem ich weniger als die Hälfte verstehe.
In Kuta, Lombok finden wir dann endlich die paradiesischen Badestrände, die wir solange gesucht haben. Weißer weicher Sand, palmengesäumt, glasklares Wasser und überschaubare Menschenmengen.
Mawi Beach, Tanjung Aan und Selong Belanak sind unsere Lieblingsstrände, Kuta selbst ist nicht so der Hingucker.
Dafür macht die Fahrt mit dem Moped zu den Stränden umso mehr Spass - durch Dörfer und Reisfelder hindurch, vorbei an Lastwagen, auf denen sich Schüler drängen wie Vieh und vorbei an den immerpräsänten Feldarbeiterinnen mit den bunten, spitzen Hüten.

An diesen Stränden um Kuta versacken wir dann fast eine ganze Woche lang, mit einer kurzen Unterbrechung nach Mataram, um das Visum abzuholen. Wir versuchen uns (ich mal wieder) mit dem Surfen und nach 3 Stunden tut uns alles weh und wir haben uns Knie unnd Oberbauch aufgeschürft. Abends schlürfen wir regelmäßig bei chilliger Elektromucke in unserer Lieblingsstrandbar super Cocktails nachdem wir im Drifters Warung die besten Burger der Welt (kein scheiß) verspeist haben.
In der Bar können wir dann auch aus nächster Nähe die Spezies "Indonesischer Surferboy" bei der Jagd auf blonde Touristinnen beobachten. Mir war vorher nicht klar, dass es auch asiatische Surferboys geben kann (naiv, ich weiß) - für mich war ein Surferboy groß und blond (australisch eben). Nicht so diese Jungs. Mit Rastas oder einfach nur langen Haaren, einem sehr Bob Marley lastigen Kleidungsstil und extrem tiefhängenden Hosen (Hallo, Schamhaaransatz!) schlendern diese lässigen Typen wie die Coolness in Person bekifft durch ganz Kuta oder schwingen sich bei der richtigen Welle aufs Brett und zeigen den Anfängern, wie das richtig geht. Und mit dieser Coolness sind sie beim Abschleppen gar nicht so unerfolgreich. Dabei lieben sie Sprüche wie "Never know never try" (unser Surflehrer) oder "long hair, long life - long banana, happy wife".
Und so entschließen wir uns den Vulkan Rinjani nicht zu besteigen. Erstens weil wir erstmal genug von Vulkanen haben und zweitens, und wichtigstens, weil wir grade keine Lust auf einen drei-tägigen superharten Aufstieg haben. Wir zögern zwar lange- denn immer wieder treffen wir Leute die das machen wollen - aber es is doch die richtige Entscheidung für uns.
In der letzten Nacht krieche ich spät nach langen Gesprächen mit Steffie aus Berlin unter unser Mückennetz und erstarre fast vor Schreck als ich nach oben schaue- über mir hängt eine überdimensional große - handgroße - fette Spinne. Voller Panik renne ich aus dem Zimmer und überlasse Timo das Problem. Die Spinne ist allerdings so groß, dass auch er keine Lust hat sie anzufassen, zumal wir nicht wissen, ob diese Sorte giftig ist und ob sie springen kann. Jetzt ist der Moment in dem ich das erste Mal denke: Ich will nach Hause. Nach langem hin und her überlegen irre ich hilflos im Hotelgelände umher und finde drei angetrunkene Engländer, die ahnungslos ihre Hilfe anbieten und vorschlagen die Spinne mit der in einer Plastiktüte eingewickelten Hand anzufassen. Nach einigem Geschrei beim Anblick des monströsen Exemplars entschließt sich eines der Mädchen - wohl die betrunkenste - kurzer Hand die Spinne am Bein zu zupfen, was ich von außerhalb des Bungalows mit dem anderen Mädchen der Gruppe nur akustisch verfolgen kann. Mit viel Geschrei wird die Spinne von den dreien aus dem Zimmer gejagt und schließlich kommt der Brite aus dem Zimmer und sagt siegessicher: "Humans 1, spider 0". (Menschen: 1, Spinne: 0). Ich tue in dieser Nach allerdings trotzdem kaum ein Auge zu, weil unsere Wand oben Luftlöcher hat und reise am nächsten Tag mit Freudentränen ab. Man weiß immer, wann es Zeit ist zu gehen....
Da wir mal wieder einsehen mussten, dass Indonesien zu groß ist für unser "bisschen" Zeit fliegen wir nach Bima, Sumbawa - ans östliche Ende der nächsten Insel. Vom Rollfeld hat man einen guten Blick auf den mächtigen Rinjani, der über allem zu thronen scheint. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.
*Name von der Redaktion geändert ;)
Unterkünfte:
Gili Trawangen: Aura Bungalows
Gili Meno: Ana's Warung
Mataram: Idoop Hotel
Kuta: Yellow Flower - Burger/ Restaurant: Drifters Warung/ Infos: Barrel Bar
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